Ausdauersport Tag

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OK, ich gebs zu – ich bin völlig durchgeknallt. Aber ich hab echt viel Spaß im Leben und könnte mir nicht vorstellen, dass es anders wäre.

Wie auch an diesem einen Tag, als mich mein Kumpel Alex, (welcher mich auch im Januar zwingt mit ihm in der Donau schwimmen zu gehen) einfach bei einem X-Cross Triathlon angemeldet hat. Jaja, das pack ich schon, dacht ich mir. Erst mal abwarten und die Lage vor Ort checken.

 

DIE VORBEREITUNG

  • Wochen vorher hab ich mein gewöhnliches Training (Krafttrainig = Kniebeugen und bisschen Klimmzüge und Hip Thrust) wie immer durchgezogen – . – Das war mein Training 🙂 Irgendwie muss das bestimmt helfen dachte ich, zumindest wollte ich ausschließen, dass ich aufgrund von Muskelversagen in den Beinen aufgeben muss, klingt logisch oder? 
  • Bestellung Triathlon-Einteiler bei Amazon check.
  • Nagut, ich hab eine Woche versucht keinen Alkohol zu trinken (am Tag davor ist mir leider im On Market bei meinem Lieblingskeller Semih dann ein Drink in die Hände gekommen, der leider Alkohol hatte (hab ich aber kaum gespürt)).
  • Ja und zu meiner Vorbereitung gehörte auch, dass ich am Tag vorher einmal quer durch die Donau geschwommen bin. Puhhh das war anstrengend. Shit…
  • Rosinenbrötchen auf der Hinfahrt essen – check

–> Nervös war ich schon, keine Frage und als ich dann an dem Veranstaltungsort nach Podersdorf ankam, drehte mein Körper + Kopf völlig durch.

 

DIE ANDEREN

Haha, no not funny. Als ich die ganzen krassen Räder von den Mitläufern gesehen habe, 21 Gänge und mehr, stylisch, leicht, massiv, brutal, wendig- fühlte ich mich garnicht mehr so tip top in Form und meine Oberschenkel waren weich wie reife Mangos. 

Diese Räder! Bis aufs nötigste reduziert und abmontiert was möglich ist. Ich hab an diesem Morgen noch mein Gepäckträger von meinem Stadtrad gebastelt, hab aber bei den Schutzblechen aufgegeben, denn es hatte eine Narbenschaltung. 7 Gänge, Leute ich kommeeee… Das war mein Fahrrad: 

Dann überall die 2 Paar Schuhe vor ihren Plätzen, den Taucheranzug und und und (oh Gott und ich hab vor in einem einzigen Einteiler ALLES zu machen- viel Spass)

 

DIE STRECKE

Wir mussten 750m durch den Neusiedlersee schwimmen, der war 16° – also wunderbar erfrischend für erhitzte Gemüter und auch zu meinem Glück nur Brusthoch, ich konnte also Laufsprung-Schwimmen machen, eine einzigartige Technik die ich innerhalb der ersten Meter im Wasser entwickelt habe und bis zum Ende durchgezogen habe. Zwischendrin gab es Hindernisse im Wasser die man bewältigen muss. Wer hat mich eigentlich so wirkungsvoll auf die Schwimminsel raufgehoben? Das war super- DANKE 🙂

 

Pitschnass in die Schuhe, Helm auf, aus der Wechselzone rennen und rauf aufs Rad. Ich bin durchgehend im höchstenGang (7.) gefahren und war damit eigentlich auch schon an meiner Leistungsgrenze (das Rad auch). Ich hab geflucht und mein Stadtrad hat geklappert und gescheppert, wenn ich durch Schlaglöcher ohne Federung und Reifengripp geprescht bin. Die 10 Strohballen, die man überqueren musste, fand ich recht abwechslungsreich, da mir die 17km doch echt lang vorkamen. Irgendwann hab ich erfahren dass ich 5. war, nachdem mich gerade eine 1.! Frau (Männer hab ich nicht gezählt) überholt hatte. Das war mein Startschuss den ich mir gesetzt habe, ab diesem Zeitpunkt endlich Gas zu geben.

 

DER WECHSEL

In der Wechselzone hab ich so schnell es ging das Fahrrad abgestellt und bin losgerannt. Lange konnte ich das Tempo nicht halten aber zumindest konnte ich eine Dame überholen. Gejoggt bin ich ewig nimmer, also bestimmt 3 Jahre nicht – aber trotzdem hab ich super schnell meinen alten Laufstil wiedergefunden und mich auf meine Atmung, nämlich durch Nase und Mund gleichzeitig, konzentriert. Ich glaub ich war bei dem ersten 3. der Strecke als ich von hinten eine Dampflock hörte, welche sich mit rasanten Tempo näherte… Unmöglich dachte ich, aber es war echt eine Gazelle im Frauenkörper, die an mir vorbeirannte. Keine Chance – die seh ich erst wieder aus der Nähe wenn ich keuchend im Ziel ankomme. Egal, Weiterrennen. Gut, dann werd ich eben 5. und konzentriere mich auf die Hindernisse.

Diese haben mir dann glaub ich einen Vorteil eingebaut, denn viel Beinmuskulatur hilft bei Sprüngen und Krafteinsatz über hIndernisse hinweg zu kommen und somit schaffte ich es auf Platz 4 vorzurennen.

Alex, mein Kumpel, der übrigens 2. an diesem Tag wurde (Hurraaaa) ist mir dann auf den letzten 800m entgegen gekommen und brüllte mich plötzlich von der Seite an, ich solle mich gefälligst anstrengen und Gas geben ich hätte Chance auf den 3. Platz. Jetzt weiß ich, wie sich meine Kunden fühlen, wenn ich sie bei Slam Ball oder Battle Ropes anfeuere, man hört sein eigenes Blut rauschen und denkt sich nur so „…. Mensch, siehst du nicht, dass ich gerade dem Tod haarscharf von der Messerkante gesprungen bin?“ 

In mir ratterte alles durch, ich versuche mal zu rekonstruieren:

…wie lange kann ich noch so weiterlaufen? Ich glaub ich muss kotzen. Wo könnte ich Hinkotzen? Oh Gott ich muss kotzen. Ich muss auch aufs Klo. Durst hab ich auch. Ich hab es eh weit geschafft, aber jetzt noch schneller? Leck mich…

Was?!? 3. Platz? Das wäre schon geil. Oh ich sehe schon den Pokal und mich gleich auf der Bühne.. woher nehmen ich die letzte Kraft? Rosinenbrötchen sind schon verdaut und alle lokalen Kohlenhydratspeicher leer… verdammt.

 

Moment: 70KG Kniebeugen müssen doch einen Übertrag haben… das muss doch gut für irgendwas gewesen sein!

EGAL! Wer 70KG mit 51KG Bodyweight Kniebeugen kann, der reißt sich gefälligst zusammen und wenn ich durch das Ziel krabbeln muss, ich will alles gegeben haben.

Das Problem dabei: bei 70KG Kniebeugen ist es nach einmal massiver Anstrengung vorbei. Hierbei ist einfach die Zeit das durchzuhalten mein größter Gegner.

Kurz vor den letzten Hindernissen hab ich einfach nur noch an meiner allerhöchsten Leistungsgrenze gekratzt, ich war massiv in irgendwelchen Energiebereitstellungssystemen meines Körpers, die dann dazu geführt haben dass ich

  1. Meine starke Gegnerin vor mir überholen konnte,
  2. der Preis aber war, dass ich mich übergeben musste
  3. Aber ich kam als 3. Frau und 25. von allen 300 Mitläufern ins Ziel.

 

Emotionen? seht es selbst: 

 

FAZIT

Ich weiß nicht, ob ich noch mal ein X-Cross Triathlon machen würde, also bestimmt nur in diesem Format mit Spaß, Matsch, Hindernissen und Freunden. Mein High Gefühl hielt mehrere Tage an. Alex und ich waren nach dem ersten Bier ziemlich gut drauf und haben unser Leben nicht begreifen können, was da gerade passiert ist. Einfach nur herrlich. Er 2. und ich 3. JAWOLL!

 

 

 

Danke Alex, ich wiederhole es noch mal, weil es so treffend ist: du schleifst mich nicht nur zum Tanzen auf irgendwelche Parties, sondern auch wörtlich durch den Dreck.